Mathematische Bildung und Digitalisierung: Strategiepapier der GDM

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) legen in diesem Strategiepapier ihre Position zur mathematischen Bildung im digitalen Zeitalter dar. Das Papier identifiziert vier zentrale Perspektiven: Erstens die Förderung fachlicher Kompetenzen durch digitale Medien, wobei empirisch belegte Potenziale wie Darstellungsvernetzung und die Auslagerung von Routineaufgaben betont werden. Zweitens die fachbezogene Förderung digitaler Kompetenzen, die eine curriculare Verankerung über Fächer und Klassenstufen hinweg erfordert. Drittens die Entwicklung neuer fachlicher Kompetenzen durch die Digitalisierung, insbesondere in den Bereichen Daten, Algorithmen und Data Science. Viertens die Förderung personaler digitaler Bildung im Fach, die auf ein digitales Mündigwerden durch und gegenüber Mathematik abzielt. Ergänzt werden diese Perspektiven durch einen Fokus auf die Lehrkräftebildung als zentrale Gelingensbedingung für die digitale Transformation des Mathematikunterrichts. Das Papier schließt mit konkreten Handlungsfeldern für die Mathematikdidaktik.

 

https://ojs.didaktik-der-mathematik.de/index.php/mgdm/article/view/1227/1402

 

Foto von Onur Binay auf Unsplash.

Ein faszinierender Einblick in die Welt der Mathematikdidaktik Großbritanniens

In einem aufschlussreichen Interview teilt Alf Coles, Vorsitzender der British Society for Research in Learning Mathematics, seine Perspektiven auf aktuelle Trends, Herausforderungen und Zukunftsvisionen. Von Forschungsprojekten bis hin zu bildungspolitischen Spannungsfeldern – Coles zeichnet ein vielschichtiges Bild der mathematischen Bildungslandschaft. Er beleuchtet nicht nur die Stärken des britischen Systems, sondern spricht auch offen über Probleme und nötige Veränderungen. Besonders interessant sind seine Ausführungen zu neuen Ansätzen in der Forschung und seine Ideen für eine Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts. Dieses Interview bietet nicht nur für Fachleute, sondern für alle an Bildung Interessierten spannende Denkanstöße und lädt dazu ein, über die Zukunft der Mathematikdidaktik nachzudenken – in Großbritannien und darüber hinaus.

 

 

https://ojs.didaktik-der-mathematik.de/index.php/mgdm/article/view/1250/1404

Die GDM trauert um Prof. Dr. habil Michael Toepell

Die GDM trauert um Prof. Dr. Michael Toepell, der am 01.08.2024 im Alter von 73 Jahren unerwartet verstorben ist. Herr Toepell hat nicht nur für die Didaktik der Mathematik viel geleistet, sondern insbesondere auch für die GDM, etwa die Organisation der 31. GDM-Jahrestagung in Leipzig 1997 und die langjährige Herausgeberschaft der GDM-Mitteilungen.

 

Unsere Anteilnahme gilt insbesondere seiner Familie.

Verleihung des GDM-Förderpreis an Anna Körner (l.) durch Reinhard Oldenburg (r.) auf der 57. GDM-Jahrestagung in Essen

Förderpreis der GDM 2024 für Dr. Anna Körner

Der zweijährlich vergebene Förderpreis der GDM zeichnet herausragende Dissertationen aus. In diesem Jahr wurde der Preis Anna Körner (Bremen) zuerkannt für Ihre Dissertation „Flexibles Rechnen im Grundschulverlauf.“ 

Verleihung der GDM-Ehrenmitgliedschaft an Werner Blum (r.) durch Reinhard Oldenburg (l.) auf der 57. GDM-Jahrestagung in Essen

Prof. Dr. Werner Blum zum Ehrenmitglied ernannt

Auf der 57. Jahrestagung der GDM in Essen wurde Werner Blum am 07.03.2024 aufgrund seiner umfassenden Verdienste für die Mathematikdidaktik und die Gesellschaft für die Didaktik der Mathematik mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Werner Blum hat der GDM in vielen Funktionen, unter anderem als erster Vorsitzender gedient. Seine Arbeiten zur Stoffdidaktik der Analysis und zur Modellbildung waren eben so einflussreich wie seine Beteiligung an der Entwicklung der Bildungsstandards und der PISA sowie COACTIV-Studie.

Die GDM gratuliert herzlich ihrem neuen Ehrenmitglied!

Gewinner der WAXMANN Posterpreise 2024

Auf der 57. Jahrestagung der GDM in Essen 2024 wurden die drei besten Poster mit dem WAXMANN Posterpreis ausgezeichnet.

 

Platz 1:
Franziska Peters & Sebastian Schorcht
GPT-Netzwerke im mathematischen Task Design – Einsatz von Communicative KI-Agents als multiprofessionelles Team

 

Platz 2:
Stefanie Schumacher & Thomas Krohn
Das LUPI-Spiel: „Niemand traut sich, die 1 zu nehmen!“

 

Platz 3:
Julian Sommer
Entwicklung empirischer Lernsettings zur analytischen Geometrie unter Verwendung von Immersiver Virtual Reality Technologie

PISA-Ergebnisse – eine erste Einschätzung

Die am 5.12. veröffentlichten PISA-Ergebnisse fordern zu einer gründlichen Analyse auf, um die verschiedenen Ursachenfelder identifizieren zu können. Der schulische Unterricht aller Fächer hatte in den letzten Jahren viele Herausforderungen zu bewältigen, etwa die Pandemie, die Umsetzung der Inklusion und die Integration von Kindern aus anderen sprachlichen und kulturellen Hintergründen. Diese Faktoren sind auch in den meisten anderen Ländern relevant, allerdings scheint Deutschland die damit verbundenen Probleme nicht sonderlich gut gelöst zu haben. Anerkannt werden muss auch, dass in Deutschland besonders der Mathematikunterricht schlechter als vor vier Jahren abschneidet: Der Rückgang ist in diesem Bereich mit 25 Punkten wesentlich stärker als beim Lesen (-14 Punkte) oder in den Naturwissenschaften. Auch die deutschsprachigen Länder Österreich und die Schweiz haben keinen solchen Rückgang der mathematischen Kompetenz zu verzeichnen, Österreich sogar einen Zugewinn.

Die grundlegende Ausrichtung des deutschen Mathematikunterrichts wird durch die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz bestimmt. Die dort geforderte Kompetenzorientierung entspricht den Erkenntnissen der Mathematikdidaktik und steht auch weitgehend im Einklang mit den Zielen, die gemäß der PISA-Konzeption getestet werden. Allerdings gibt es möglicherweise noch ein Defizit in der Umsetzung. Deutschland schwächelt bei den leistungsstarken Schüler*innen und zu denken geben sollte auch der erhebliche Anteil von Lernenden, die im Mathematikunterricht Langeweile empfinden. Diese Befunde bestärken den von vielen Seiten geäußerten Verdacht, dass es im Mathematikunterricht aktuell an kognitiv herausfordernden Fragestellungen ebenso mangelt wie an authentischen und als relevant erkennbaren Fragestellungen. Eine Konsequenz könnte sein, dass sich die Mathematikdidaktik verstärkt Inhalten zuwendet, die bei Kindern und Jugendlichen Begeisterung für mathematische Fragen auslösen können. Das habe ich schon an verschiedenen Stellen angemahnt und ein Zitat von Frau Lewalter aus Spiegel-Online vom 6.12. geht in die gleiche Richtung:  “Wir beobachten, dass es im Unterricht häufig schlichte Berechnungen und einfache Anwendungsaufgaben gibt. Eine Art Rechentraining, relativ wenig kreative Auseinandersetzung mit Mathematik. Da gibt es nur wenige Anknüpfungspunkte zur Lebenswelt. Jugendliche stellen sich die Frage: Warum soll ich das lernen?“. Neben dem Auftrag, sich diesem Problem anzunehmen, werfen die Ergebnisse eine Reihe von weiteren mathematikdidaktischen Fragen auf, die einer wissenschaftlichen Untersuchung bedürfen.

Reinhard Oldenburg