Herbsttagung des Arbeitskreis Mathematikunterricht und Informatik (AKMUI) vom 26. bis 28. September 2008

Medien vernetzen – Leitgedanken und -fragen

Medien vernetzen. Zwei Worte. Eine Aussage. Eine Frage? Eine Hoffnung? Eine Forderung? Eine Vision? Ein (?) Tagungsthema – unser Tagungsthema! Medien vernetzen.

Medien vernetzen? Wen oder Was vernetzen Medien? Inhalte des Mathematikunterrichts, Methoden des Mathematikunterrichts, und/oder alte/neue Inhalte mit alten/neuen Methoden des Mathematikunterrichts? Lern- und Leistungssituationen? Vernetzen Medien gar Personen des Mathematikunterrichts mit- und untereinander: Lehrende und Lernende. Und auch Lernende über geeignete Methoden (welche?) mit Inhalten (welchen)? Können/sollten Sie dies? Seit wann vernetzen Medien? Weshalb vernetzen Medien? Von allein? Oder durch Lehrende? Oder durch die Lernenden selbst? Da ist auch eine andere Perspektive wichtig: Wer vernetzt Medien, macht Medien vernetzen – und warum? Können/sollten auch Medien Medien vernetzen?

Genauere Blicke lohnen, dazu differenzieren wir Begriffe, um weiter zu fragen. Ein Vorschlag – der gerne hinter- und gegengefragt werden darf!: Medien und Werkzeuge wirken zwischen Mensch und Welt. Medien vermitteln Menschen Welt, speziell auch die oder bescheidener eine Welt der Mathematik. Werkzeuge lassen umgekehrt Menschen Einfluss auf die Welt nehmen. Medien und Werkzeuge sind damit zwei Gesichter einer Interaktion von Mensch und Welt, unterschieden durch ihre Interaktionsrichtung.

(Nicht nur) Mathematische Gedanken bedürfen externer, isomorpher (was kann/soll das heißen müssen/dürfen?) Darstellungen zur Kommunikation. Mathematik, die nicht singulär in ihrem individuellen Entdecker oder je nach Standpunkt Erfinder bleiben soll, bedarf externer Darstellungen, die Sender und Empfänger verstehen (lernen), die diesen ein Wechselspiel symmetrischer Kommunikation ermöglichen. Auch zwischen Menschen und Computern?!? Wir nutzen im Unterricht Darstellungen, die helfen (mathematische) Welt(sicht) zu erfahren und zu erschließen. Schon immer verwenden Menschen dazu Handlungen (mit und ohne Werkzeugen), Zeichen und Symbole (die vereinbarten Regeln folgen) als Medien und nicht zuletzt gesprochene Sprache. Können wir letztere mitvernetzen? Zwangsläufig beeinflusst stets der uns zur Verfügung stehende Teil des denkbaren Universums aller Darstellungen, die Fragen welcher Mathematik wir uns zuwenden (können) und welche Mathematik wir interessant finden (wollen). Das Spektrum gewünschter Darstellungen sollte von Gegenstand, Zweck und Ziel abhängig sein und ist praktisch von den Möglichkeiten der vernetzten und vernetzenden Neuen Medien und Werkzeuge abhängig – was können diese leisten, was nicht? Welche (neuen?) Darstellungen schenken uns Computer und welche enthalten Sie uns (prinzipiell?) vor? Darstellungen eines mathematischen Sachverhaltes können enaktiv oder ikonisch oder symbolisch sein – können/sollten Medien dies vernetzen? Darstellungen eines mathematischen Sachverhaltes können formal-analytisch oder visuell-geometrisch oder konzeptuell-begrifflich sein – können/sollten Medien dies vernetzen? Darstellungen eines mathematischen Sachverhaltes können prädikativ oder funktional sein – können/sollten Medien dies vernetzen? Kurz: können/sollten wir versuchen bestimmten Kategorien und/oder Skalen didaktisch unterscheidbarer mathematischer Zugänge durch vernetzte und vernetzende Neue Medien und Werkzeuge gerecht(er?) zu werden. Können/wollen wir dazu immer/manchmal/nie Computer als Maschinen gewordene Mathematik sinnstiftend, sinntragend, sinnvoll nutzen/netzen?

Wir laden Sie herzlich ein, diese, weitere, engere, andere Fragen und denkbare, mögliche, bescheidene oder euphorische Antwortversuche gemeinsam mit anders oder ähnlich denkenden an „Medien vernetzen“ Interessierten auf der diesjährigen Herbsttagung des AKMUI in der GDM auszutauschen, zu diskutieren, zu unterstützen oder zu bestreiten.